Sonntag, 9. September 2018

TAR-Etappe 7

Alles wird gut!
Startzeit: 8.00 Uhr
Strecke: Sarnthein nach Brixen mit 36km und 2200 Höhenmeter im Aufstieg und 2580 Höhenmeter im Abstieg. Unser Zieleinlauf war nach 6:07 Stunden.
Wie vorausgesagt, war diese Strecke einer der Schönsten. Da für mich die Etappe 6, die emotionalste und anstrengendste war, ging ich mit einem ziemlich mulmigen Gefühl an den Start. Gott sei Dank war es zu Beginn nur eine kurze Asphaltpassage und es wurde kein Schnellstart...so wie gestern, sondern ein gemütliches aber zügiges aufwärmendes nach OBEN.
Klemens war dieses mal meistens neben oder hinter mir, um mich nach vorne zu schieben oder einfach ein bisschen da zu sein, wenn mein Kopf nicht mehr mitgespielt hat. Vor den Abwärtspassagen hatte ich Respekt, denn die ständige Stauchung deines Körpers hat seine Spuren hinterlassen. Aber ich hab einen Weg gefunden, gar nicht mal so langsam, ohne großes "Luftwegbleiben" diese ordentlich langen Strecken (5km/500HM - 10km/2000HM im Schuss nach unten) laufend zu schaffen.
Wenn man sich für solche Etappenläufe entscheidet, trifft man auf der Strecke immer wieder die selben Mitstreiter. Jeder Mensch ist verschieden - jeder hat so eine Macken - die Toleranz dessen wird oft auf eine harte Probe gestellt.
Da wäre die "Schnaufende" - mit lautem Gestöhne, Geächze und Gekeuche versüßt sie einem den Morgen, ich war jedes Mal versucht ihr entweder einen Asthmaspray zu verabreichen, oder ihr zu raten, das Rennen zu beenden, bevor sie kollabiert - sie hat gemeinsam mit ihrem Partner jedes Mal vor uns die Ziellinie erreicht.
Dann kommt "der Spuckende" - die Nationalität war weit Jenseits des Pazifiks  - ich hatte das Vergnügen, das er bei einigen Bergaufstrecken hinter mir war - nach jeden gefühlten 10 Metern vernahm ich dieses Geräuspere, dieses Nach-Oben-Holende und schließlich Ausspuckende....da seine Partnerin immer knapp hinter ihm war, konnte die Schleimspur nicht so groß gewesen sein, aber ich hoffte immer nur inständig - das er bitte nie zum Überholen die Energie hat.
Dann der "Ignorant" - ausgerüstet mit Doppelboxen und der Mission alle die ihn umgeben mit seiner Technomusik zu bespassen - lautstark und schon von Weitem hörend - kam er des Weges - gepushed von der Musik - jegliche Aufforderungen und Vorschläge unsererseits zu irgnorieren, die Landschaft und uns mit dem "Geduddle" nicht zu quälen. Irgendwann ging ihm zum Glück seine Kraft verloren und unser gequält werden hatte ein Ende.
Zu guter Letzt der "Überehrgeizige"- er rennt vor, bleibt stehen, schaut auf die Uhr, wartet voller Ungeduld bis sein PartnerIn näher kommt und rennt dann weiter voraus. Ich könnte noch eine Weile weiterschreiben, aber das wird mühsam ……
Die Landschaft war ein Traum, die Gipfel gut sichtbar, beeindruckend diese gewaltigen Riesen, wenn
die kalte Luft den Gipfel ankündigt und du mit ganz viel Hochachtung den Grad hinauf beschreiten darfst. Mit jedem Schritt kam das Ende dieses Abenteuers näher - dieses einzigartige Rennen, mit unglaublichen Höhen und Tiefen - ein Rennen das Zusammenhalten lässt oder auch trennen kann. Klemens und ich waren ein tolles Team - grundsätzlich wussten wir über die unterschiedlichen Leistungsklassen bescheid - unglaublich war es trotzdem gemeinsam, glücklich und mit viel Eindrücken im Kopf ins Ziel zu laufen.
Jetzt heißt es für's Erste erholen, die Eindrücke verarbeiten und dann das nächste Abenteuer "von Oben nach Unten" zu planen.
Das Motto aller FinisherInnen


Freitag, 7. September 2018

TAR-Etappe 6

Start: 7:00 Uhr/St. Leonhard im Passeiertaö
Ziel: Sarnthein
Länge:34km/2524hm Aufstieg/2223hm Abstieg
Laufzeit: 7:06
SO SOLL LAUFEN NICHT!
Aufgrund einer Gewitterwarnung wurde auch heute der Start um eine Stunde nach vorne verlegt und die Karenzzeiten bei VP1&2 verkürzt. Wer um 11:45 nicht bei VP2 durch ist, wird aus dem Rennen genommen, da ab 13:00 Uhr Gewitter angesagt sind und die LäuferInnen zu diesem Zeitpunkt an der höchsten und exponiertesten Stelle der Etappe sein würden. Dementsprechend hektisch und nervös war der Start. Wir ließen uns leider auch anstecken und sind viel zu schnell gestartet. Zu Beginn lief alles noch sehr gut, aber nach und nach machte sich bei Angelika der Magen und die Leber bemerkbar. Das heißt, dass ein tiefes Durchatmen kaum mehr möglich war und sich bei jeder Erschütterung, davon gibt es beim Laufen genug, die rechte Körperhälfte verkrampft. An vernünftige Nahrungsaufnahme ist dann leider auch nicht mehr zu denken. Bis zum höchsten Punkt des Tages lief es noch ganz gut, aber beim Bergabtrail danach, begann das große Leiden. Das schlimme daran ist, dass man als Partner völlig hilflos zusehen muss. Zumindest bei den bergauf Passagen konnte ich mein Herz mit anschieben unterstützen, bergab konnte ich allerdings gar nichts machen. Außer einen ordentlichen Abflug hinzulegen und die Felsen zu küssen. Blutige Nase, blutiges Knie und abgeschürftes Kinn. Aber alles Gut! Zumindest hatte ich von nun an von so ziemlich allen Wanderern und Läufer den vollen Zuspruch und Mitleid. Angelika kämpfte sich tapfer ins Ziel, auch wenn ich ihr deutlich angesehen habe, dass sie due Trails viel lieber laufen würde. Es kann halt leider nicht nur gute Tage geben. So erreichten wir nach 7:06 Stunden das Ziel. Müde, aber ein absolut emotionaler Moment, einzigartig, diesen gemeinsam zu erleben. Muskulär geht es Angelika gut, was uns sehr positiv für die letzte Etappe stimmt. Für die Leber habe ich in der Apotheke Tee besorgt, der uns morgen auf der Etappe nach Brixen begleiten wird.

Donnerstag, 6. September 2018

TAR-Etappe5

Start: 7:00/Sölden
Ziel: St. Leonhard im Passeiertal
Länge: 38,6km/2.286 Hm Aufstieg/2.956 Hm Abstieg
Laufzeit: 6:23
SO MUSS LAUFEN!
Um es in der Werbesprache zu sagen. Die gestrige Etappe hat trotz der geringen Km-Zahl ziemlich an den Kräften gezehrt und daher musste am Abend bei der Pastaparty ordentlich aufgeladen werden.
Angelika hat meinen strengen Blick verstanden und wirklich ordentlich auf's Teller geladen und auch gegessen. Sie hat mich dafür zwar die ganze Nacht verflucht, weil sie wegen dem vollen Bauch nicht wirklich gut schlafen konnte, aber die Speicher waren wieder voll.
Das machte sich gleich unmittelbar nach dem Start bemerkbar, denn obwohl es nach ca. einem Kilometer gleich in einen Anstieg ging, gab es heute keinen gestaffelten Blockstart. Dennoch schafften wir es ohne lange Schlange stehen zu müssen in den ersten Anstieg. Wie wir bereits die letzten Tag festgestellt haben, sind wir beim Aufstieg nicht die KönigInnen. Aber inzwischen haben wir unseren Bergaufschritt gefunden und ich lasse mich nicht mehr hetzen. Mir ist es lieber, die schnelleren BergaufgeherInnen überholen uns, als aus Höflichkeit weiter hinten zu starten und dafür 10 Minuten oder mehr beim ersten Anstieg Schlange zu stehen. Der erste Anstieg ging hinauf zum Timmelsjoch, der Grenze Österreich-Italien mit einer kurzen Downhill.
Standen wir dieses mal nicht bergauf Schlange, passierte es dafür bergab, denn die ersten Fünf einer jeden Wertungskategorie dürfen ganz vorne starten, egal wie schnell sie tatsächlich noch laufen können. Und Bergab hatten wir leider eine echte Bremse vor uns. Aber irgendwann konnten wir doch vorbei, auch wenn der schöne Bergabtrail da schon fast zu Ende war.
Angelika achtete heute ganz genau darauf, genug Energie aufzunehmen und so gab es bei der ersten Labe schon ein Gel, Porridge und 2x Suppe. Mit dieser Stärkung schafften wir die letzten Höhenmeter auf das Timmelsjoch ohne Probleme und konnten uns voll Freude auf den ersten langen Downhill wagen. Da stellte ich heute endgültig fest, dass wir zumindest bergab in unserer Leistungsklasse die KaiserIn sind.
Beeindruckend war auch heute wieder die Bergwelt und Aussicht und da die letzten Höhenmeter des Tages vorwiegend auf Forststrasse waren, Angelikas Lieblingsterrain bergauf, war alles gut.
Nach der letzten Verpflegungsstelle hatten wir einen 8km langen Downhill mit insgesamt 1300 negativen Höhenmetern vor uns und meine St. Veiter Downhillgazelle ließ es so richtig krachen, auch wenn die Asphaltpassagen dazwischen das Vergnügen etwas getrübt haben.

Nichtsdestoweniger erreichten wir um ca 13:23 das Ziel in St. Leonhard.
Müde, aber sehr zufrieden mit dem heutigen Tag. Es ging sofort wieder ans Speicherfüllen, mit alkoholfreiem Bier, zwecks den Elektrolyten, Porridge, Suppe, Eiweißriegel und und und.
Ich denke, der morgige Tag kann kommen, freu mich schon und bin gespannt, was für neue Herausforderungen er bringen wird.

Mittwoch, 5. September 2018

TAR-Etappe 4

Zuerst einmal die sachlichen Details: 28km Strecke 2296 Meter hinauf und 2622 Hinunter und der höchste Punkt war das Pitztaler Jöchl mit 2992 Höhenmeter. Wir liefen als 9. unserer Klasse ins Ziel mit einer Zeit von 6.00 Stunden.
So und jetzt die anderen Nebensächlichkeiten - die Luft beim Start war kalt, wenn man einen "Hauch" loslies, dann war es wie im Winter, man sah seinen Atem. Wenn der Tag wie gestern begonnen hätte, (die Kurzfassung: ich hatte im Gebüsch in fremde Schieße gegriffen, meine Handyhülle danach weggeschmissen und erkannt, das meine Sonnenbrille nicht mehr vorhanden war),dann wäre das wieder Adrenalin pur vor dem Start gewesen.
Aber heute lief alles ganz gemütlich ab, super Hotel, volles Frühstücksbuffet, guter Schlaf, sogar unsere Taschen brauchten wir nicht zum LKW bringen (800m Fußmarsch), weil unser Gastgeber gemeint hat, wir sollen uns auf's Laufen konzentrieren, er macht das schon (ca. 20 Taschen auf und abladen, noch ein Mal ein großes Dankeschön an das Aparthotel Almhof).... also absolut kein Adrenalin!!!!
Die Strecke, die Umgebung, die Atmosphäre war unglaublich, fast wie im Bilderbuch, überall Wasserfälle, alles grün......ABER ….der Aufstieg war anfangs wieder in der "Wanderschlange" …
danach ging es wieder bergauf und wieder bergauf, überall große , wirklich große Steine, die man überwinden musste. Die Stationen - rundum den Rifflsee (ein Traum) weiter zum Jägersteig - weiter zur Braunschweiger Hütte - Pitztaler Jöchl……….um abzukürzen, weiter bis nach Sölden. Schon beim Jägersteig hab ich mir gedacht, "nicht schon wieder eine Steigung, meine Oberschenkel brennen, ich hab Durst, eine Banane wäre auch nicht schlecht....und das Team vor uns... verdammt die haben mehr "Schmalz" als ich". Egal die Umgebung war der Hammer - allein die Gletscherüberquerung und das Hinunterwuseln, Hinunterjolen im Schneegatsch war alles wert. Wir sind um 15:00 Uhr ins Ziel der "Cutt off
" war um 16:15Uhr, das heißt, es werden heute einige aus der Wertung fallen. Wir sind noch immer unter den ersten 100...und noch immer dabei. Unseren Muskeln und Gelenken geht es eigentlich gut, meine sind müde - Klemens ist nicht wirklich was anzumerken, er will mich ständig den Berg hinaufschieben oder ziehen..... aber das fällt mir schwer anzunehmen..... Wir haben noch 3 Etappen vor uns - man lebt nur einmal und Abenteuer sind da um erzählt zu werden.
Wie wir gerade erfahren haben, ist die Cut Off Zeit heute ausgesetzt worden. Es wären tatsächlich ca 50 Teams nicht in die Wertung gekommen. So dürfen morgen alle weiterlaufen.

Dienstag, 4. September 2018

TAR-Etappe 3

Die "Supernasen" vor dem Start
Start: 6:30/Imst
Ziel: Mandarfen
Länge: 51,0 KM/3163 Hm Aufstieg/2286 Hm Abstieg
Laufzeit: 8:07
Eigentlich sollten es ja ca 3km und in etwa 60 Hm weniger sein, aber aufgrund eines Felssturzes im Sommer und der nicht zeitgerechten Reparatur des Höhenweges durften wir einen kleinen Umweg laufen.
Angelika war wie immer nach außen sehr ruhig, ganz im Gegensatz zu mir. Dementsprechend untruhig war meine Nacht und dementsprechend wirr waren auch meine Gedanken, die mir des Nächtens durch den Kopf geschwirrt sind.
Die Erlösung war das Läuten des Weckers um 4:40. Da wir gestern am Abend schon alles vorbereitet hatten und die Taschen schon gepackt waren, brauchten wir uns nur noch lauffertig machen und konnten unser Frühstück genießen. Da der Shuttle bereits um 5:05 beim Hotel gewesen wäre, haben wir uns mit zwei Laufkollegen ein Taxi für 5:45 bestellt.
Um 6:10 waren wir in Imst am Sparkassenplatz, gaben unseren Dropbag für das Ziel ab und checkten in unserem Startblock ein. Aufgrund der Uhrzeit war es heute etwas ruhiger als in den letzten Tagen, aber es gibt immer wieder einige, die meinen, alle mit ihren Geschichten unterhalten zu müssen.
In diesem Fall merke ich, dass ich von den familiären Ultraläufen in
Österreich absolut verwöhnt bin.
Wie auch immer. Um Punkt 6:30 viel der Startschuss und die Meute machte sich auf den Weg.
Wir versuchten am Anfang wieder das Tempo zu reduzieren und gemütlich in den ersten Anstieg zu kommen. Da der Weg auf den ersten Metern bergauf relativ breit war, konnten wir sehr gut unser Tempo finden. Die ersten 20km waren relativ entspannt, da es nach dem ersten Anstieg immer wieder bergauf und bergab ging. Also genug Zeit um die Landschaft zu genießen und von der Kulisse beeindruckt zu sein. Nach 20km gab es den ersten längeren Anstieg und Angelika und ich haben ein gutes Aufstiegstempo gefunden.
Danach sollte sich allerdings zeigen, wie echtes Trailrunning funktioniert. Während Angelika die technischen Passagen mit Bravour meisterte, landete ich einige Male auf dem Hosenboden und machte ein Mal sogar die Bekanntschaft mit den Heidelbeeren, die einen Meter unter dem Weg wachsen. Aber nix passiert, allerdings ein Weckruf, nicht zu übermütig zu werden.
Der letzte Abstieg war dann schon sehr kraftraubend, 500m im Schuss bergab sind nicht ohne.
Aber die Krönung kam zum Schluss, 10km leicht bergauf der Pitze entlang nach Mandarfen. Landschaftlich wunderschön, aber für den Kopf sehr anstrengend, für die Beine sowieso.
Das Gute ist, solange man sich vorwärts bewegt, kommt das Ziel immer näher und so haben wir nach 8:07h die Zeitnehmung ausgelöst und die ganze Anstrengung ist wie immer auf einen Schlag wie
Angelika & Sancho
weggeblasen. Außerdem haben wir im Ziel Gerald "Sancho" Pfister, ein Mitglied des Ultralauf Nationalteams getroffen, der gerade im Pitztal urlaubt und trainiert.
Jetzt heißt es erholen für die nächsten Etappen.